Ein Sudwerk, so gut und so simpel wie möglich

 

 

Ich höre immer wieder die Klage: Was brauch ich da nicht alles! Das kann ich mir nicht leisten. Das ist ein Hobby für Vorstandsvorsitzende oder wenigstens IT-Berater.

 

Liebe Leute, das ist nicht richtig! Außer anderen normalen Haushaltsgeräten wie Einkochthermometer, Kochlöffel und Herdplatte oder Gaskocher (ist besser!) braucht ihr bloß zwei Edelstahltöpfe. Je 10 Liter Fassungsvermögen genügen für den Anfang. Den einen davon solltet Ihr zum Läuterbottich, den anderen zur Würzepfanne erklären. Pfanne heißt beim Brauen immer "Topf".

 

Die Würzepfanne ist so, wie sie ist, schon fertig. Den Läuterbottich müsst ihr erst bauen. Das ist aber kein Hexenhandwerk.  Ihr müsst ein Loch in die Edelstahltopfwand bohren und einen Kugelhahn einschrauben. Warum Edelstahl? Weil es gesünder ist als Alu, nicht splittert beim Bohren wie Emaille, weil es besser aussieht und sich besser anfühlt, mit einem metallenen Sudwerk zu arbeiten.

 

Wie bohrt man ein Loch in einen Edelstahltopf? Man benötigt Mut, einen Stahlnagel oder eine Schraube mit möglichst spitzer Spitze (…), einen Hammer und eine beherzte Hand. Handschuhe anziehen! Am besten vor dem ersten Hammerschlag den Topf auf ein dickes Holz (Baumstammstück o. ä.) aufziehen, damit es keine größeren Dellen gibt. Kreis aufzeichnen (mit etwas kleinerem Durchmesser als als das Außengewinde des Kugelhahns), Löcher möglichst entlang der Kreislinie einschlagen, bis sich das Stück innerhalb der Perforationslinie mit einer Zange oder einem Nagel herausbrechen läßt. Anschließend mit einer kleinen Rundfeile (für Metall) den Rand der Öffnung kreisförmig zuschleifen. Immer mal wieder probieren, ob sich der Hahn schon eindrehen lässt. Sobald das der Fall ist, alles mit ein paar Hammerschlägen egalisieren, Dichtungen und Kontermutter anbringen, festziehen und probieren, ob‘s dicht ist. Voilá! C’est ca.

 

Nun gehört in den Topf mit dem Kugelhahn – den Läuterbottich - auch noch ein Läuterboden. Läutern heißt Reinigen. Der Topf dient zum Trennen der Flüssigkeit (Würze) von den Feststoffen in der Maische – dem eingeweichten und bereits mehrfach erhitzten Wasser/Malzgemisch.  Hierbei wirken die Spelzen im Malz als ein natürlicher Filter, der sich beim Absetzen der Spelzen und mehligen Bestandteile selbst über dem Läuterboden aufbaut. Was nach dem Abläutern im Läuterbottich zurückbleibt, ist übrigens der Treber (Plural: die Treber). Er lässt sich an Schweine verfüttern oder in Maßen dem Brotteig beimischen.

 

Den geigneten Läuterboden solltet ihr schon beim Auswählen des Topfes „finden“.  Er muss möglich gut hineinpassen. Dafür kommen in Frage: Siebe, Durchlässe mit möglichst kleinen Löchern oder Dünsteinsätze. In jedem Fall sollte noch ein entsprechend großer Fettschutz für Töpfe und Pfannen (engmaschiges stählernes oder verzinktes Drahtgewebe mit Griff in Tennisschlägerform) ausgeschlachtet werden. Drahtgewebe mit einer kräftigen Schere  kreisrund und in etwa passend ausschneiden und auf den Siebeinsatz legen. Fertig ist der Läuterbottich. Kosten ca. 50 Euro. Zeitaufwand (ohne Einkauf): 30 Minuten. Adrenalinausschüttung: maximal, denn man spielt mit dem Verlust eines Edelstahltopfes.

 

Wer nicht ganz so hart mit Euros rechnen muss, aber beim Nervenkitzel sparen möchte, erhält ein fertiges Nano-Sudwerk aus Edelstahl auf meiner shop-Seite. Inklusive Malz, Hefe und Kurzanleitung zum für ein Standardbier (3 Stk. zur Auswahl).  Nicht zu oft weitersagen, sonst muss ich unausgesetzt Löcher in vorfinanzierte Edelstahltöpfe klopfen ;-)