Wie es dazu kam ...

In meinen Büchern spielte Alkohol schon immer eine Rolle. Gerade in Krimis wird viel getrunken. Manchmal mehr, als in der Wirklichkeit. Damit aber alles stimmt, wenn etwa eine Geschichte in einer mittelalterlichen Brauerei spielt oder im heutigen Winzermilieu, muss sich ein Autor genau informieren. Daher habe ich schon vor vielen Jahren begonnen, mich mit den Produktionsabläufen in Kellerei, Brauerei und Brennerei vertraut zu machen.

 

Ich habe schnell gemerkt, wie spannend das Thema für mich ist, auch ohne dabei zur Schnapsleiche zu werden. Es führte mich tiefer in die Grundkenntnisse in organischer Chemie und Biochemie, die seit meinen Schulzeiten schlummerten. Meine Großmutter behauptete immer, dass man so alt wie eine Kuh werden könne und immer noch dazulernen. Nun werden Kühe zwar bloß 15 Jahre, wenn man sie nicht vorher schlachtet, aber es ist ja auch nur des Reims wegen gesagt.

 

Eine der ältesten unter Menschen bekannten biochemischen Reaktionen ist die Umwandlung von Zucker zu Ethanol bei der Gärung von Honig und pflanzlichen Rohstoffen.  Das Thema Alkohol führt rasch in die Anfänge der menschlichen Kulturgeschichte. Man gewinnt einen neuen Einblick in die Menschheitsentwicklung, wenn man sich fragt, welche Innovationsleistungen hinter der heute bedenkenlos konsumierten und missbrauchten  Droge Nummer 1, dem Alkohol, stecken, und welche besondere, kultische Handlung seine Produktion in den frühen Gesellschaften darstellte und bei Naturvölkern und naturverbundenen Gruppen heute noch ist.

 

Wenn man will, kann man über die Beschäftigung mit "Alkohol" in der Menschheitsgeschichte leicht den Sprung in die fast uferlose Thematik der psychotropen/psychoaktiven Substanzen und darüber hinaus ins tiefere Verständnis des menschlichen Körpers und des menschlichen Geistes kommen. Letztendlich wird man sich und andere, auch andere Völker, besser verstehen.

 

Das Thema ist für den historisch Interessierten genauso fruchtbar wie für den Anhänger des Selbstmachens. Mich begeistern letztlich alle diese Dinge, deswegen bin ich Schriftsteller geworden. Für mich ist alles ist Recherche, ist alles Sozialstudie, ist alles Stoff für Geschichten. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen, und ein wenig von dem aufgestauten Wissen anderen mitteilen?  Zugegeben: Auch ein Schriftsteller lebt nicht von der Luft. Schriftstellerei ist ein viel härteres Brot, als die meisten glauben. Da ist es gut, eine kleine Nebeneinnahme zu haben.

 

So kam es, dass ich Lesungen mit Praxistipps zum Thema "Hausbrauerei" anbot. Mal sehen, ob sich die Sache entwickelt!